Mündliche Heilpraktikerprüfung – arche medica
Seminar Fit für die Mündliche arche medica

Mündliche Heilpraktikerprüfung

Nachfolgend hat ARCHE MEDICA ein Schüler-Gedächtnisprotokoll über einer mündlichen Prüfung des Gesundheitsamtes Tempelhof-Kreuzberg eingestellt. Sie kann von ihrem Ablauf und ihrer inhaltlichen Thematik her als typisch bezeichnet werden und gibt ein realistisches Bild von den Anforderungen.

Prüfung – der Beginn

Das Prüferkollegium bestand aus dem Amtsarzt und einem beisitzenden Heilpraktiker aus einem Heilpraktikerverband. Es erfolgte eine Gruppenprüfung mit drei Prüflingen. Nachdem jeder der Prüflinge sich mit Namen vorgestellt hatte, befragte der Amtsarzt ihn, ob er in der Lage (juristisch im Sinne des Heilpraktikergesetzes ausgedrückt: gesund und frei von Drogen und Medikamenten) sei, an der Prüfung teilzunehmen. Der Amtsarzt holte das Einverständnis der Prüflinge ein, die Prüfung auf Tonband aufzunehmen. Der Prüfling, der rechts vor dem Tisch saß, begann.

Prüfung – die Befragung

Anmerkung: Die Fragen des Amtsarztes sind im folgenden fett gedruckt.

Was können Sie mir zum Ikterus sagen?
Es gibt einen prä-, intra- und posthepatischen Ikterus.

Was sind Ursache und Symptome des Ikterus? Wissen Sie den Wert des HBs
(Hepatitis B surface antigen)?
Die verschiedenen Ikterusformen haben auch verschiedene Ursachen.
Prähepatischer Ikterus: Hämolyse, meist bei bestimmten Anämieformen.
Intrahepatischer Ikterus: Störungen des Leberparenchyms bei Hepatitis,
Leberzirrhose, Leberkarzinom oder Enzymdefekten (kurzfristig bei
postnatalem Ikterus). Posthepatischer Ikterus: Verschluß der Gallenwege
durch Steine oder auch Pankreaskopfkarzinom.

Symptome des Ikterus sind Gelbfärbung von Haut, Schleimhäuten und
Skleren. Abhängig von der Ikterusform können starker Juckreiz,
Stuhlentfärbung und Braunfärbung des Urins auftreten.

Anmerkung: Der Wert des HBs wurde falsch wiedergegeben. Der Amtsarzt meinte in erster Linie die Maßeinheit, nicht den Wert. Die Maßeinheit wurde falsch verbessert.

Freundlich: Merken Sie sich bitte: um 1, diesen Wert kann man sich gut merken.
Aber die Maßeinheit mg/dl sollte man schon wissen. Erzählen Sie mir bitte etwas über die Skoliose!
Es handelt sich um eine Verbiegung der Wirbelsäule.

In welcher Richtung?
Seitlich.

Wodurch?
Angeboren oder durch Beckenschiefstellung. Letzteres kann durch eine
Beinlängendifferenz zustande kommen, die sich bis nach oben fortsetzt.

Was können Sie mir zum Suizid sagen?
Kommt gehäuft bei Depressionen vor.

Kennen Sie die drei Phasen des Suizids?
1. Selbstmordgesten ohne Selbsttötungsabsicht
2. Ambivalenzphase, sog. Nichtleben- und Nichtsterbenkönnen
3. Entscheidungsphase.

Wie wirkt der Patient in der 3. Phase?
Da er den Tötungsentschluss schon gefasst hat, wirkt er eher positiv und
entschlossen.

Was ist ein erweiterter Suizid? Ist darunter zu verstehen, wenn jemand sich
umbringen und dabei andere mit in den Tod reißen möchte?
Nein, von einem erweiterten Suizid sprechen wir z.B., wenn die Mutter das
Kind absichtlich tötet, weil sie glaubt, dass es nach ihrem Freitod ohne sie
nicht zurechtkommen würde.

Was tun Sie, wenn ein Patient vorhat, einen Suizid zu begehen?
Ich wende mich an den sozialpsychiatrischen Dienst des Gesundheitsamtes.
Dort werden dann die geeigneten Maßnahmen eingeleitet.
In einem absolut dringenden Fall rufe ich die Polizei.

Sagen Sie bitte etwas über M. Parkinson!
Bei dieser Krankheit sind Gehirnareale zerstört oder degeneriert durch
Dopaminmangel. Symptome: Tremor, schlurfender Gang, nicht
beeinflussbare Bewegungsstörung mit Fallneigung, Pillendreher– und
Geldzählersymptom.

Noch etwas?, denken Sie an das Gesicht!
Mimische Starre (Maskengesicht) und Salbengesicht durch erhöhte
Talgproduktion.

Ich habe gerade die Seite des Buches zum Thema Poliomyelitis aufgeschlagen,
was können Sie mir dazu sagen?
Der Poliovirus erzeugt häufig grippeähnliche Symptome. Danach kann die
Krankheit enden oder im weiteren Verlauf schlaffe Lähmungen verursachen.
(Das abends gesund zu Bett gebrachte Kind wacht morgens mit Lähmungen
auf.)

Gibt es eine Impfung?
Ja, von der STIKO (Ständige Impfkommission) empfohlen.

Es erfolgte dann eine Erläuterung des Impfkalenders:
Eine Impfung gegen Poliomyelitis wird von der STIKO ab dem 3. Lebensmonat
zusammen mit der ersten Vierfach-Impfung (DTP-Hib) und der ersten
Hepatitis B Impfung empfohlen. Die zweite Polio-Impfung erfolgt ab dem 5.
Lebensmonat, die dritte im zweiten Lebensjahr. Eine Auffrischung wird dann
zwischen dem 11. und 15. Lebensjahr nötig.

Ist der Impfstoff ein Tot- oder Lebendimpfstoff, denken Sie an den Impfkalender, wird Polio also auch i.m. geimpft?
Früher wurde ein Schluckimpfung mit Polio durchgeführt, das war ein
Lebendimpfstoff, heute i.m., das ist ein Totimpfstoff.

Kennen Sie eine Komplikation bei Polio am Knochen?
Ja, Wachstumsstörungen besonders am Röhrenknochen des Beins.

Sagen Sie mir bitte etwas über Tollwut!
Die Tollwut wird meist durch den Biß eines infizierten Tieres, über dessen
Speichel, übertragen. Der Erreger ist der Tollwut-Virus. Die Inkubationszeit beträgt ein bis drei Monate. Je näher sich die Bißstelle am Gehirn befindet, desto kürzer ist die Inkubationszeit. Die Erkrankung verläuft in drei Stadien: Prodromalstadium, Erregungsstadium, Lähmungsstadium. Im ersten Stadium macht sich die (u.U. schon verheilte) Bißstelle durch Jucken, Kribbeln und Brennen bemerkbar. Es kommt zu Kopfschmerzen, Nervosität, Depression und Fieber.

Das zweite Stadium ist durch große Reizbarkeit, Empfindlichkeit und Unruhe
gekennzeichnet. Es treten schwere Krämpfe auf, besonders an der Rachen-,
Atem- und Kehlkopfmuskulatur. Schluckkrämpfe werden beim bloßen Anblick
von Wasser ausgelöst. Hohes Fieber stellt sich ein. Der Erkrankte schreit und
tobt bei geringsten Reizen.

Im dritten Stadium entwickeln sich Paresen und Meningismus.
Ohne Impfung führt die Erkrankung zum Tod, meist durch Atemlähmung. Es
existiert jedoch sowohl eine aktive als auch ein passive Impfung. Nach §6 IfSG ist die Tollwut meldepflichtig bei Verdacht, Erkrankung und Tod.

Prüfung – der Abschluss

Nach Ende der Prüfung mussten die Prüflinge den Raum kurz verlassen. Alle hatten bestanden. Der Amtsarzt äußerte, dass er den Augenblick der Gratulation immer sehr genieße und wollte zum Werdegang eines jeden Einzelnen etwas wissen. Die Atmosphäre war für eine Prüfung angenehm. Der Amtsarzt war fair, half viel und war bemüht, einen durch die Prüfung zu bringen. Um den Prüfungskandidaten Mut zu machen, äußerte er zum Beispiel, dass auch er nicht alles wisse. Alles in allem dauerte die Überprüfung ca. eine Stunde.

Unsere Kommentierung der Prüfung

Das Protokoll unterstreicht, welche Wichtigkeit die Gesundheitsämter den Infektionskrankheiten nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) und dem Gesetz zur Betreuung psychisch Kranker (PsychKG) einräumen. Wir haben diese Prüfung auch wegen der Häufigkeit dieser Prüfungsthemen exemplarisch ausgewählt.

Diese Prüfungspraxis entspricht dem Kerngedanken des Heilpraktikergesetztes: zu verhindern, dass Heilpraktiker*innen eine „Gefahr für die Volksgesundheit“ darstellt und dadurch Menschen an Leib oder Leben Schaden erleiden. So besteht für Heilpraktiker*innen z.B. das Verbot, bestimmte Infektionskrankheiten, die im Infektionsschutzgesetz geregelt sind und zu denen die klassischen Seuchen wie z.B. Typhus gehören, zu behandeln. Denn die Ausbreitung von Seuchen wie z.B. bei einer Typhusepidemie bedroht große Teile der Bevölkerung, weswegen besondere Schutzpflichten des Staates bestehen.

Heilpraktiker*innen müssen fundierte Kenntnisse zu diesen Infektionskrankheiten aufweisen, sonst wären sie nicht in der Lage, das Verbot im praktischen Fall zu erkennen und würden damit die „Volksgesundheit“ im Seuchenfall gefährden. Ebenso müssen sie in der Lage sein, Verdachtsmomente bei einem suizidgefährdeten Menschen zu erkennen und die richtigen Maßnahmen einzuleiten.

Gedächtnisprotokolle

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